Wie das Presseamt der Stadt Trier in der aktuellen Ausgabe seiner Rathaus-Zeitung heute zugibt, hat man bei der Bundestagswahl 2005 offenbar einige Briefwähler-Stimmen vergessen.
Wie bitte? Vergessen?
Jawohl:
Bei der Auszählung der Stimmen zur Bundestagswahl am 18. September vergangenen Jahres sind im Rathaus 1147 durch Briefwahl abgegebene Stimmen versehentlich nicht berücksichtigt worden.
Wie kann man so einfach vergessen, Stimmen von Briefwählern auszuzählen? Darauf findet sich in der Presseerklärung auch eine Antwort – ein Knaller:
Die ungeöffneten Kuverts wurden von einem Mitarbeiter des Wahlbüros in einem Stahlschrank bei den Vorbereitungen für die Landtagswahl 2006 entdeckt. (…) Bei der Auszählung am Wahlabend wurde aus im einzelnen nicht mehr nachvollziehbaren Gründen eine Schublade übersehen. In ihr befand sich ein Teil der Stimmzettel des Wahlbezirks 6001 (…).
Wie gut, dass wir ein halbes Jahr später zufällig noch mal eine Wahl hatten, sonst wäre man wohl nie auf diese Stimmzettel gestoßen. In Absprache mit dem Landeswahlleiter seien diese nun nicht mehr ausgezählt worden, da sie nicht zu einer Veränderung des Ergebnisses beitragen würden.
2005 hatten wir 61.870.711 Wahlberechtigte (laut wikipedia.de), von denen 77,7% (also 48.073.542 Deutsche) von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten. Okay, also haben die 1.147 Briefwähler-Stimmen aus Trier da nur einen Anteil von 0,002%. Aber dennoch würde ich als betroffener Wähler wollen, dass meine Stimme ausgezählt wird.
Nun gut, kommen wir zur Presseerklärung zurück, denn noch besser ist folgender Satz, der sich dort findet:
Nach Darstellung der Stadt gibt es keinerlei Anzeichen für ein schuldhaftes Verhalten. Dennoch sei die Angelegenheit gravierend. Es handele sich um einen bedauerlichen menschlichen Fehler, der auch die zuständigen Mitarbeiter belaste.
Wie soll man diesen Vorfall bitte anders bezeichnen als die Schuld eines oder mehrerer Mitarbeiter? Wenn ich einen bedauerlichen Fehler begehe, der mir Leid tut, bin ich also schuldfrei? Interessante Erklärung.
Danach folgt, Verzeihung, das übliche Blabla. Bei anderen Wahlen habe es keinerlei Vorfälle derart gegeben, usw. etc. pp. Klar, das Presseamt der Stadt muss das ja auch sagen.
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