Schafft das Telefon-Voting ab

by Stefan on 22. Mai 2006

Am Wochenende musste man sich ja doch ein wenig sehr wundern. Da finden zwei Fernseh-Ereignisse statt, bei denen die Zuschauer über Sieg und Niederlage der Kandidaten (mit)entscheiden dürfen: der 51. Eurovision Song Contest in Athen und das Finale von RTL’s Let’s Dance. Und bei beiden habe ich mich gefragt, was denn bitte da die Zuschauer geritten hat.

Zäumen wir das Pferd von hinten auf. Da ich vor Jahren einige Tanzkurse absolviert habe, bin ich zumindest ein bisschen versiert in dem Happening, das RTL aufgezogen hat. Ich muss zugeben: als die ersten Trailer für die Show liefen, hat es mich nicht wirklich gereizt, diese Sendung zu verfolgen. Die erste Ausgabe hatte ich auch nur deshalb gesehen, weil sie von Hape Kerkeling moderiert wird, und ich als Medienwissenschaftler (natürlich, diese Ausrede zählt eben immer) ein “wissenschaftliches” Interesse daran hatte.
Aber tatsächlich habe ich in den Wochen danach bis auf eine jede weitere Ausgabe der Sendung gesehen und gestehe, dass ich sie spannend und sehr unterhaltend fand. Einige der teilnehmenden Prominenten haben sich Tanz-technisch wirklich erstaunlich entwickelt, und schnell war meine Favoritin auserkoren: Wolke Hegenbarth. Ein Naturtalent. Und die Leistung, die sie mit ihrem Tanzpartner Oliver Seefeldt in der gestrigen Finalshow gezeigt hat, war außerordentlich und überragend im Vergleich zum Promi-Konkurrenten um den ersten Platz, Wayne Carpendale.

Und dennoch hat Letzterer gewonnen; “Schuld” daran war das zuschauende und anrufende Publikum, das das eindeutige Jury-Voting zu Gunsten von Wolke Hegenbarth gekippt hat. Wieso auch immer.

Gucken wir einen Tag weiter zurück, zum Eurovision Song Contest. Soviel schiefes Gesinge und falsche Töne hat es bei dieser Veranstaltung, die ich sehr unregelmäßig verfolge, glaube ich noch nicht gegeben. Gut ist, dass zumindest diese Kandidaten kaum Punkte gemacht haben. Schlecht ist, dass am Ende eine Band gewonnen hat, die zwar ein ganz anständiges Lied gesungen hat, wo aber absolut nichts besonderes dabei war. Außer den Kostümen. Und bitte: das war abstoßend und nicht mehr feierlich!

Meine Meinung: es gab drei gute Nummern, zu denen die deutsche Band “Texas Lightning” neben dem russischen Dima Bilan und der Schwedin Carola gehörte. Die Deutschen landeten abgeschlagen auf Platz 15, sehr bedauerlich, aber Country-Musik ist in Europa einfach nicht so populär; Dima Bilan schaffte es auf Platz 2 (wenigstens etwas), Carola auf Platz 5.
Selbst Deutschland hat den Gewinnern, Lordi aus Finnland, 10 Punkte gegeben. Für mich unverständlich, und ich vermute, dass es nur etwas mit dem Outfit der Band zu tun hatte.

Ich finde ja, Demokratie ist was feines. Aber sie sollte irgendwie doch nicht zu weit gehen…
(Die Ironie-Tags nur zur Sicherheit…)

Lustig übrigens ist folgendes (auch wenn sich scheinbar einige Leute darüber aufregen):

Lordi mit Maske
Lordi mit Maske (beim Auftritt in Athen – Quelle: ARD)
Lordi Maskenlos
Lordi ohne Maske (Quelle: BILD)

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  1. “Die 100 nervigsten Deutschen 2006″

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Bjoern Mai 22, 2006 um 12:58

Du scheinst die Gründe, aus denen Lordi den Grand Prix d’Eurovision gewonnen hat, wie übrigens auch ein Großteil der hiesigen Medienlandschaft, kolossal falsch einzuschätzen.
Lordi haben nicht wegen der lustigen Kostüme gewonnen, sondern weil sie nicht nur ihre eigene Fangemeinde, sondern die gesamte Metal- und Rockszene Europas im Rücken hatten, die mit dieser Abstimmung nicht nur Lordi unterstützen, sondern vor allem dem kulturellen Establishment kräftig in den Allerwertesten treten wollte, in deren Augen etwas anderes als der ewig gleiche Techno-, R’n'B-, Hip-Hop- und Schlagerkram einfach nicht vorkommt und wenn dann höchstens als Musik für Grenzdebile

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Stefan Mai 22, 2006 um 13:11

Ja, okay, das ist natürlich auch eine Möglichkeit, den Sieg Lordi’s zu erklären. Klingt plausibel.
Ich frage mich dabei nur, ob Lordi im Vorfeld die “gesamte Metal- und Rockszene Europas” soweit mobilisieren konnte, eine Veranstaltung anzuschauen, die ansonsten ja kaum im Interesse dieser Musikfans liegt…

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Bjoern Mai 22, 2006 um 13:30

Ja, das konnten sie definitiv, es gab in etlichen deutschen Städten sogar sogenannte “Vote for Lordi!” Parties.

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Tom Mai 22, 2006 um 16:39

ich finde die sendung hat sich schon seit 20 Jahren überlebt und ist für mich absolute pudelkacke. dementsprechend habe ich sie mir auch nicht angesehen. aber WENN ich da jemanden die daumen drücken würde, dann definitiv einer gruppe, die endlich mal was anderes macht. und etwas, was nicht in den restlichen mainstream-kitsch passt. ob das lied dann noch gut ist, ist mir eigentlich wurscht. das sind die anderen songs auch nicht. hauptsache es ist mal was frisches.

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