In unseren heutigen Zeiten macht sich bei vielen der Internet-Nutzer eine gewisse Gleichgültigkeit breit, was den Schutz und die, nun sagen wir mal “Geheimhaltung” der eigenen Daten angeht. Überall im Mitmach-Web-2.0 darf/muss man sich anmelden, kann man Interessen angeben, was man zuletzt gelesen hat oder bald lesen will, welche Musik man hört, und hinterlässt -natürlich und beinahe selbstverständlich- auch so sensible Informationen wie das Geburtsdatum.
Da schreit es ja leider nur nach so einer Geschichte wie der folgenden.
Tina Groll ist etwas passiert, das man “Identitätsdiebstahl” nennt. Sie hat ähnlich wie Millionen anderer Menschen im Web bei verschiedenen Anbietern Daten hinterlassen, die dann jemand gestohlen hat.
Es klingt lächerlich, aber: Ich habe Angst, den Briefkasten zu öffnen. Beinahe täglich flattern mir derzeit Mahnungen und Drohschreiben von Inkassounternehmen ins Haus. “Weil Sie auf die vorbenannten Forderungen noch immer nicht reagiert haben, leiten wir jetzt das Mahnverfahren ein”, steht da zum Beispiel. Schulden soll ich gemacht und Waren bezogen haben von Unternehmen, deren Namen ich noch nie gehört habe. Die Sachen wurden an Adressen geliefert, die nie die meinen waren. Dort soll es sogar Menschen geben, die “zweifellos bezeugen können, dass Sie, Tina Groll, dort gewohnt haben”, schreibt mir eine Inkassofirma. Sogar Haftbefehle gibt es gegen mich – und das völlig unverschuldet. Ich bin Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden.
In der Online-Ausgabe der Zeit findet sich seit Donnerstag der erste einer vierteiligen Serie, in der sie sich mit dem Erlebten auseinandersetzt: Meine Identität gehört mir! Ziemlich beunruhigend liest man dort, was derartige Betrüger alles mit den eigenen Daten anstellen können. Und genau damit weckt sie auch bei mir eine leicht nervöse Ungewissheit.
Es ist ja nicht so, dass sich über mich im Internet, spätestens über die Suchmaschinen Daten finden lassen, die man mit mir in Verbindung bringen kann. Und auch ich habe Accounts bei den üblichen Social Media Plattformen. Die Betrüger von heute müssen sich also nicht einmal mehr die Mühe machen, im Müll vor der Haustür nach Bestellzetteln, Katalogen oder Paketresten zu suchen — wir servieren ihnen die gewünschten Informationen quasi auf dem Silbertablett.
Ein Bekannter sagt: “Sei froh, dass die Betrüger nur normale Waren bestellen und keine Wettschulden bei der russischen Mafia haben.”
Wie gesagt: beunruhigend und nachdenklich stimmend.
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